Dehydration, Hyperurikämie und Gicht

Gicht ist eine Stoffwechselstörung (eine Störung des Purinstoffwechsels, eine Störung der Eiweißsynthese), die unter anderen auch bei Reptilien wie Schlangen, Schildkröten und Geckos auftreten kann. Inwieweit die Vorgänge der Erkrankung bei Reptilien mit der Humanmedizin vergleichbar sind kann man unter dieser Adresse nachlesen: http://www.hundkatzepferd.com/archive/791878/Gicht.html
Dort findet man tiefergehende, medizinische Ausführungen dazu sowie Informationen zur medikamentösen Therapie.

Zusammenfassend und verallgemeinert lässt sich aber Folgendes sagen: Reptilien, die meist aus warmen oder wüstenähnlichen Gebieten stammen, scheiden nicht flüssigen Urin, also Harnstoff aus, sondern Harnsäure. Die Harnsäure ist der weiße Krumen, der meist zusammen mit dem Kot ausgeschieden wird. Harnsäure wird bei Säugetieren noch zu Harnstoff umgewandelt und zusammen mit dem Harn ausgeschieden. Dabei verliert der Körper Wasser. Bei der Ausscheidung von Harnsäure jedoch, wird ein großer Wasserverlust verhindert, was in den trockenen Heimatsgebieten überlebenswichtig für die Tiere ist.

Eine Hyperurikämie ist eine Erhöhung der Harnsäurewerte im Blut. Aus ihr kann eine Gicht resultieren. Man spricht von einer Gicht, wenn sich Harnsäure und Urate (Urat ist das Salz der Harnsäure) in Gelenken, Organen und seriösen Häuten ablagern und dort Entzündungserscheinungen hervorrufen.

Diese Symptome können sich je nach Schweregrad der Erkrankung zeigen:

  • der Leopardgeckos ist träge, apathisch, scheinbar kraftlos
  • schmerzbedingte Beschwerden beim Fortbewegen, sehr langsame Bewegungen
  • frisst nichts, verweigert Futter, Appetitverlust
  • Würgereiz oder sogar Erbrechen
  • Verdickung der Gelenke
  • der Leopardgecko wirkt schlapp, schwach und müde
  • seine Haut ist dehydriert und ist dadurch faltig und erscheint dünn
  • schlimmstenfalls Abmagerung und eingefallenen Augen.

Die Ursachen oder auch Auslöser für eine Gicht können vielfältig sein:

  • Im Vordergrund steht eine Dehydration, eben ein Austrocknen durch mangelnden Zugriff auf Wasser. Ganz besonders kann sich das direkt bei oder nach der Winterruhe bemerkbar machen, wenn der Leopardgecko wochenlang nichts getrunken hat und/oder eine Wasserschale ganz und gar gefehlt hat.In den Heimatsgebieten der Leopardgeckos fallen die Winter trockener aus als die Sommer, jedoch braucht es trotzdem eine gewisse Luftfeuchtigkeit. Deshalb muss der Halter seinen Tieren auch in der Winterruhe feuchtes Substrat anbieten (Wetbox), ab und an mal mit einem Wasserzerstäuber sprühen und täglich frisches Trinkwasser anbieten.Den Hauptgrund der Gicht bildet jedoch nicht nur allein eine starke Dehydration, sondern eher das Zusammenspiel aus der Dehydration, zu niedrigen Temperaturen (während der Winterruhe) und zu proteinreiches Futter.

    Da der Leopardgeckos pflanzliche Kost verschmäht, ist es recht schwierig ihn auf „Diät“ zu setzen. Aber Grillen und argentinische Waldschaben dürfen weiterhin ganz oben auf dem Speiseplan stehen, da sie sich von pflanzlichen Stoffen ernähren. Jedoch Käferlarven wie Mehlwürmer, Zophobas oder auch Wachsmottenlarven bzw. Wachsraupen sowie Mäusebabys dürfen nur selten verfüttert werden, da sie zu proteinreich sind. Zu proteinreiche Ernährung führt übrigens auch zu Organverfettung (zum Beispiel Fettleber).

 

  • Als weitere Ursachen sind Darmparasiten bekannt. Hexamiten (das sind Flagellaten; Geißeltierchen) sowie Nematoden (das sind Fadenwürmer) sind Auslöser einer Nierenentzündung, die wiederum zu einer Nierenfehlfunktionen führen kann. Diese Funktionsstörung der Niere, genauer der Nierentubuli (wie es auch bei der Dehydration der Fall ist, nur eben ohne vorangegangene Entzündung, sondern ausgelöst durch einen Nierenkollaps nach mangelnder Wasseraufnahme), führt zu einem Uratstau, einer unzureichenden Ausscheidung der harnsauren Salze. Um das zu vermeiden, ist eine Kotuntersuchung VOR der Winterruhe zwingend notwendig.
  • Eventuell könnten auch erbliche Faktoren diese Stoffwechselstörung begünstigen.

Die Prognose ist natürlich abhängig vom Schweregrad der Erkrankung:

Ist ein Leopardgeckos nach der Winterruhe dehydriert und zeigt er allgemeine Symptome wie Trägheit, Apathie und verweigert die Nahrungsaufnahme, dann fehlt ihm vielleicht nur Flüssigkeit und es besteht keine Gicht. Dann ist nochmal alles gut gegangen. Trotzdem sollten beim Halter hier schon die Alarmglocken läuten und er muss dringend die Haltung und Pflege für seine Tiere optimieren. Ein sofortiger Tierarztbesuch ist hier aber trotzdem anzuraten. Dieser wird dem Leopardgecko an mehreren Stellen seitlich des Bauches Injektionen von Kochsalzlösung mit Vitamin B subkutan verabreichen, also unter die Haut spritzen. Der Halter selbst kann auch schon vor dem Tierarztbesuch etwas helfen, indem er seinem Tier Wasser mit der Pipette ins Mäulchen gibt.

Falls die Symptome etwas stärker ausgeprägt sind, helfen eine proteinarme Ernährung und – leider nur begrenzt – ein paar Präparate. Denn schon in Gelenke und Organe abgelagerte Harnsalze können durch Medikamente nicht reduziert oder eliminiert werden.

Sind die Symptome schwerwiegend, kommt leider jede Hilfe zu spät. Aufgrund der Schmerzen würde das Tier qualvoll verenden. Es ist möglich, die Harnsäurewerte in Blut zu bestimmen, aber das gestaltet sich bei Leopardgeckos wohl recht schwierig, da die Schwanzvene, anders als bei Bartagamen, nicht gut sichtbar ist. Außerdem würde so eine Blutabnahme zusätzliches Leid für den ohnehin geschwächten Leopardgecko bedeuten. Jedenfalls besteht bei einem sehr hohen Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) leider kein Therapieerfolg mehr und der Tierarzt wird das Tier einschläfern müssen.

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