Höhle / Rückwand selber bauen

Rückwand selber bauen für TerrariumDie Vorgangsweise beim Bau einer Rückwand ist ähnlich wie die beim selber bauen einer Höhle und es werden dieselben Materialen gebraucht, daher fassen wir hier einfach mal beides zusammen und möchten Schritt für Schritt anschaulich beschreiben wie man so etwas herstellt. Jedoch sollten Sie für so ein Projekt viel Zeit, etwas handwerkliches Geschick, Kreativität und vor allem eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen.  ;D

Materialen und Hilfsmittel zum Rückwand selber bauen

  • Einkaufsliste Materialliste zum Bau einer Terrariumhöhle Mit rund 70 EUR ist so ein Vorhaben nicht wirklich guenstigStyropor
  • Gips
  • alte Gardinenreste oder (Gips-) binden oder etwas Vergleichbares
  • Tiefengrund
  • Farben mit dem Symbol Blauer Engel
  • Terrariensand
  • Klarlack-Spray (für Kinderspielzeug!)
  • Silikon
  • Styroporkleber
  • Cuttermesser
  • Pinsel und Schüssel
  • einen dunklen dickeren Stift und Papier
  • Spachtel und einen Esslöffel

Bauanleitung zum selber bauen

Arbeitsschritt I: Styropor zuschneiden und verkleben


Die Styroporplatte für die Rückwand (Durchmesser ab 1 cm) wird nach den Maßen der Terrariumrückwand mit einem Cuttermesser bzw. Tapeziermesser – nicht zu knapp – zugeschnitten. In unserem Fall soll es eine große Höhlenburg mit vielen Verstecken werden, die über zwei Seiten reicht. Also schneidet man noch eine Platte für die andere Seite sowie eine Bodenplatte zu und verklebt mit Styroporkleber diese drei Teile miteinander (am besten im Terrarium, damit auch alles 90° beträgt) und dann trocknen lassen.

Bei einer Rückwand werden nun, nach Geschmack und Belieben, Styroporteile zugeschnitten und mit dem Styroporkleber angeklebt, sodass sogenannte Quetschspalten entstehen. Einerseits dienen dann die Vorsprünge zum Herumklettern und andererseits die Spalten als Sicherheit und kleine Versteckmöglichkeit für den Leopardgecko.

Für die Höhlenburg werden nun sozusagen Trennwände aus Styropor für das „Erdgechoss“ eingeklebt. Die sollten ungefähr nur 4 bis 5 cm hoch sein, denn Leopardgeckos fühlen sich in engen Verstecken, die sie auch mit dem Rücken berühren können, sehr wohl.

Zur Hilfe kann man auch mit einem dunklen dicken Stift die Form der zu entstehenden Trennwände auf die Bodenplatte aufmalen, die Linien auf Papier durchpausen, das Papier ausschneiden und als Schablone verwenden, um es auf eine 4 bis 5cm starke Styroporplatte zu übertragen.

Dann wird eine weitere Platte zugeschnitten. Sie soll der Boden der „1. Etage“ werden und darf mit dem Rest NICHT verklebt werden. Wer möchte, dass die Etagen mit den Eingangslöchern abschließen, für den ist zu empfehlen, die Ränder der unteren Trennwände mit Farbe zu bestreichen, die Platte darüber zu legen und leicht andrücken, abnehmen und dann klebt auch etwas von dieser Farbe an der Platte und dann kann man entlang der abgedruckten Farblinie die Platte zuschneiden.

Jetzt werden wieder 4 bis 5cm hohe Trennwände mit dem Cuttermesser ausgeschnitten. Die werden auf die Platte geklebt. Je nachdem wie hoch die Höhlenburg werden soll, kann man beliebig viele Etagen noch hinzufügen und passgenau einsetzen, aber nicht ankleben. Nach oben hin wird – zumindest bei unsrer Burg – die Grundfläche der Etagen kleiner.

Als Dach der Höhle wird nun noch eine Styroporplatte auf die Trennwände der „oberen Etage“ aufgelegt und mit Styroporresten beklebt. Damit es später gut aussieht, sollten die Styroporreste oben mit der Rückwand von der Höhe her abschließen. Die verklebten Teile nun richtig trocknen lassen. Das geht bei Styroporkleber sogar recht schnell.

Nun ist das Grundgerüst fertig und die Etagen können einzeln herausgenommen werden.

 

Arbeitsschritt II: mit Gips modellieren

Die Styroporelemente (Etagen und Bodenplatte mit der Rück- und Seitenwand) werden nun einzeln mit Gips modelliert, sodass an keiner Stelle mehr etwas vom Styropor zu sehen ist. Dazu rührt man in einer Schüssel den Gips dünn mit kaltem! Wasser an und verarbeitet diesen dann zügig. Man kann den Gips dünn in die getrennten Räume gießen und dann mit der Rückseite eines Löffels oder mit einem Pinsel gleichmäßig verteilen. Für große glatte Ebenen empfiehlt sich es sich, eine Spachtel zu benutzen, um den aufgegossenen Gips glatt zu ziehen.

Man sollte immer nur kleine Mengen anrühren, denn die Gipsmasse wird ziemlich schnell dicker und dann fest. Dann darf man kein Wasser mehr dazu schütten, denn das bindet dann nicht mehr gut und wird dadurch unbrauchbar. Fest gewordener Gips in der Schüssel muss also weggeschmissen und die Schüssel ausgewaschen werden, bevor man wieder erneut eine Menge anrührt.

Damit der Gips beim Austrocknen keine Risse bekommt, muss ein Gewebe in den Gips eingearbeitet werden. Das hat etwas mit der unterschiedlichen Ausdehnung verschiedener Stoffe (Styropor, Gips) bei ansteigender Temperatur zu tun. Für unsere Zwecke reichen alte Gardienen völlig aus. Genauso gut kann man aber auch Verbandsmaterial oder Gipsbinden verwenden oder ein ähnlich maschiges Gewebe. Das Gewebe schneidet man zur besseren Verarbeitung in Stücke.

Soll die Höhle oder die Rückwand sehr natürlich aussehen, so sollte man den Gips ein bisschen rustikal auftragen, also nicht alles eben und glatt streichen, sondern  wie bei Gestein oder einem Fels Fugen, Spalten, Vorsprünge, usw. modellieren.

Die nun fertig modellierten Teile der Höhle müssen dann einige Tage gut trocknen und aushärten und werden dann wieder sehr viel leichter. Normalerweise dürften nach dem Austrocknen keine Risse entstanden sein. Falls doch, kann man sie mit einem feuchten Schwamm zu reiben; bei größeren Rissen muss man noch einmal ein wenig Gips anrühren, um diese dann zu verschließen. Was aber auch gut funktioniert ist, wenn man einfach etwas Styroporkleber in die größeren Risse schmiert und trocknen lässt. Ganz kleine Risse stören nicht, müssen also nicht ausgebessert werden …

Bevor Sie zum nächsten Schritt übergehen, überprüfen Sie noch einmal, ob die Höhlenteile noch immer gut zusammen passen. Gegeben falls muss man mit einem Schleifschwamm an ein paar Ecken noch etwas Gips abtragen und auskorrigieren.

 

Arbeitsschritt III: Streichen mit Tiefengrund

Ist der Gips richtig trocknen, nimmt man nun einen dicken Pinsel und bestreicht jedes der Höhlenteile von allen Seiten reichlich mit Tiefengrund. Das ist vor dem Bestreichen mit Farbe wichtig, denn der Gips ist so trocken, dass er, wenn er nicht mit Tiefengrund vorbehandelt beziehungsweise versiegelt wird, sofort das Wasser aus der Farbe entziehen würde. Das führt dann dazu, dass die Farbe beim Trocknen Risse bekommt, aufplatzt, sich leicht aufwölbt und dann leicht abblättern kann. Auch vor dem Streichen mit 2in1 Lack, also Buntlack mit Grundierung, ist Tiefengrund unbedingt notwendig. Außerdem hat es noch den guten Nebeneffekt, dass durch die Feuchtigkeit kleine Risse im Gips beim Auftragen des Tiefengrundes mit dem Pinsel zugeschmiert werden.

 

Arbeitsschritt IV: Farbe auftragen

Einen halben Tag später, nachdem man Tiefengrund aufgetragen hat, kann man nun nach seinen Vorstellungen die Rückwand bzw. die Teile der Höhlenburg rundherum mit Buntlack bestreichen. Zu empfehlen sind matte, seidenmatte Farben. Glänzende Farben sehen unnatürlich aus. Schadstoffarme, wasserbasierende Farben sind mit einem Symbol gekennzeichnet, dem Blauen Engel. Nur diese dürfen für solche Zwecke verwendet werden. Im Baumarkt gibt es viele verschiedene Streichfarben. Leider aber kaum natürliche Farben in Spraydosen (für Kinderspielzeug geeignet; also auch schadstoffreduziert und speichelfest). Damit würde es wesentlich schneller gehen, aber wiederum bleibt in der aufgesprühten Farbe der Sand darauf nicht so gut kleben.

 

Arbeitsschritt V: mit Sand bestreuen

Solange die Farbe noch nass ist – man darf hier immer erst nur kleinere Flächen streichen und muss zügig arbeiten – streut man dann Sand darüber. Dieser bleibt an der Farbe haften und verleiht dem Objekt ein der Natur sehr nahe kommendes Aussehen. Man kann auch Sand in verschiedenen Farben aufstreuen, zum Beispiel auf Vorsprünge hellen und in Spalten, Fugen und Vertiefungen dunklen Sand. Theoretisch kann man diesen Schritt auch auslassen, wem die Farbe allein gefällt. Das ist Geschmackssache. Jedoch ist mit Sand die Oberflächenbeschaffenheit der Höhlenwände oder der Rückwand vorteilhafter zum Klettern für die Leopardgeckos. So haben sie mehr Gripp, also besseren Halt. Wer möchte kann an ein paar Stellen dickere Farbklecks auftragen und Kieselsteine darin andrücken, etwas Sand drüber, fertig. Das sieht hinterher richtig toll aus! Es darf übrigens nur Terrariensand, Aquariensand bzw. –kies oder Spielsand verwendet werden, weil die Körnchen fein genug sind oder abgerundet wurden, sodass keine Verletzungsgefahr durch scharfkantige Sandkörnchen besteht.

 

Arbeitsschritt VI: mit Klarlack-Spray versiegeln

Wir haben zum Schluss, nachdem der Sand mit der Farbe gut angetrocknet war, alles noch mit einem farblosen Überlack aus der Spraydose versiegelt (nur Sprühfarben benutzen, die schadstoffreduziert / lösungsmittelreduziert sind; für Kinderspielzeug geeignet). Insgesamt schützt das das Angefertigte zusätzlich vor Feuchtigkeit und es lässt sich sorglos reinigen. Die Räume innerhalb der Höhle, die wir nicht mit Sand bestreut haben, lassen sich dann super mit einem feuchten Tuch sauber machen.

Hier kann man aber auch mit der Abfolge der Arbeitsschritte etwas variieren. Zum Beispiel könnte man auch, nachdem die Farbe getrocknet ist, Klarlack zum Streichen statt zum Sprühen verwenden, um das Ganze zu versiegeln und dann auf den noch feuchten Überlack den Sand aufstreuen. Für eine Höhle oder Rückwand für ein Regenwaldterrarium oder gar eine Rückwand fürs Aquarium ist es unabdingbar, statt Klarlack besser Epoxidharz / Gießharz zum Abdichten zu verwenden. Dieses Harz stinkt zwar sehr beim Verarbeiten (das sollte man lieber draußen an der Luft machen), aber vollständig und rundherum aufgetragen schützt es und isoliert das Gebaute vor Wasser.

 

Arbeitsschritt VII: Einkleben der Rückwand

Ist der Klarlack völlig getrocknet, kann nun die Rückwand bzw. in unserem Fall das Basisteil der Höhle (also Bodenplatte mit der verbundenen Rück- und Seitenwand) mit Silikon ins Terrarium eingeklebt werden. Silikon gibt es übrigens nicht nur durchsichtig, sondern ist auch in ein paar verschiedenen Brauntönen im Baumarkt erhältlich. Das Einkleben der Höhlenburg hat weniger damit was zu tun, dass sie an dieser Stelle hält und bleibt, sondern viel mehr werden damit alle Fugen versiegelt, in die sich sonst die Futterinsekten verkrümeln würden.

 

Endlich fertig: Zusammensetzen der Teile

Nun braucht man nur noch die Etagen der Höhle zusammen zu stecken und fertig ist das kleine Meisterwerk. Dass man die Höhlenburg auseinander nehmen kann, hat gleich zwei Vorteile: zum einen die einfache Reinigung und dadurch Ermöglichen größtmöglicher Hygiene und zum anderen, kann man die Leopardgeckos aus ihren Verstecken entnehmen, wenn zum Beispiel ein Tierarztbesuch ansteht oder ein Gelege in der Höhle vermutet wird.

Wir wünschen Ihnen maximalen Erfolg und gutes Gelingen!

Lesetipp: Einen sehr interessanten Artikel zum Thema Hamsterkäfig selber bauen hat Stefan geschrieben. In diesen erklärt er ausführlich, was Sie beim selber bauen eines Hamsterkäfig alles beachten müssen.

5 Gedanken zu „Höhle / Rückwand selber bauen

  1. Anne Franke

    Was für Terrarienpflanzen hast du verwendet? Ich bin gerade am suchen nach Ideen, wie ich mein Terrarium für meine Bartagamen einrichten kann. Dabei bin ich über ein Forum auf die Anleitung von dir gestoßen. Ich finde deine Bauanleitung wirklich spitze und hast du sehr schön geschrieben.

    Antworten
    1. Nancy Jahn

      Vielen lieben Dank für dein positives Feedback auf die Anleitung 🙂 🙂 🙂

      Pflanzen, ehm…ja, keine Ahnung wie die alle genau heißen. Ich glaube Sukkulenten. Schau einfach mal in einem Baumarkt. Da gibt es Kakteenarten ohne Stacheln oder sonstigem. Die kannst du bedenkenlos nehmen, lässt sie zur besseren Pflege im Topf und gräbst ihn mit Sand etwas in das Terrariumsubstrat ein. Ansonsten haben wir auch Kunstpflanzen im Terrarium…

      Gutes Gelingen bei der Einrichtung und Gestaltung deines Terrariums!

      Liebe Grüße, Nancy

      Antworten
  2. Franz Heinrich

    Ich habe jetzt schon mehrere Terrarien eingerichtet, aber deine Bauanleitung finde ich besonders gut. Ich habe auch noch nicht so was zum kaufen gesehen. Besonders deine ausführliche Bilder Aufführung, zeigen mir, dass du bestimmt sehr lange daran gearbeitet hast.. Wie hast du die Strukturen mit schwarz und weiß so gigantisch hingekommen?

    Das Bild mit der Einkaufsliste, sind dies die wirklichen Kosten? Oder nur in etwa?

    Wie viel Styroporplatten hast du verwendet?

    Ansonsten tolle Beschreibung, mach weiter so… Dies sieht man selten auf verschiedenen Terraristik Webseiten… Selbst in Foren findet man dies nicht. Du hast echt viele kreative Ideen hier untergebracht…

    Antworten
    1. Nancy Jahn

      Hallo Franz,

      vielen lieben Dank für dein positives Feedback zu der Anleitung, da freuen wir uns sehr drüber, dass die Arbeit geschätzt wird! 🙂 🙂 🙂

      Und ja, es war eine wahnsinns Arbeit, ich habe glaube drei Wochenenden dran gesessen und habe viel geflucht ;D Ich hab so etwas auch noch nicht zu kaufen gesehen und wenn, würde man sich sicher dumm und dämlich bezahlen.

      Das sind wirklich die Kosten. Also, wenn jetzt etwas 4,95 EUR gekostet hat, hab ich eben 5 EUR hingeschrieben. Kann natürlich auch sein, dass in nem anderen Baumarkt die Sachen etwas günstiger oder etwas teurer sind…
      Ungefähr hat dieses Vorhaben 70 EUR gekostet(Werkzeug hatten wir schon alles da); teuer, wenn man bedenkt, wieviele Arbeitsstunden da drinne stecken, aber das ist dann wenigstens maßgeschneidert für die Leos, hält ewig, lässt sich gut reinigen, ist total leicht vom Gewicht her, usw. Und man hat trotzdem Zugriff auf die Tiere, wenn bspw. ein Tierarztbesuch ansteht, ohne, dass man die Höhle gleich einreißen muss und das halbe Terrarium auseinander nehmen muss, um die Tiere einzusammeln.

      Zum Farbverlauf: ich hab immer ersteinmal kleinere Flächen dick mit der Grundfarbe bestrichen und sofort mit einem dünnen Pinsel mit zwei anderen, dunkleren Farben ein paar breite Striche gezogen oder Kleckse gemacht (die Farbe darf ruhig richtig laufen!), dann sofort viel weißen Terrariumsand drüber streuen, die gemalte Fläche anwinkeln, sodass die Farbe etwas läuft, mit dunklem Sand drüber, dann wieder die Farbe verlaufen lassen und nocheinmal mit weißem Sand drüber. So entstanden diese Strukturen.

      Ich hatte vier Styroporplatten in unterschiedlichen Stärken (glaube je eine Fläche von 1mx0,5m). Es sind einige kleine Reststücke übrig geblieben, aber die Platten sind so billig…

      Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen. Schönes Wochenende und vielen Dank noch einmal für deinen netten Kommentar!

      Liebe Grüße, Nancy

      Antworten

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